Risiken einer Brustvergrößerung, Risiken der Narkose

Kontraindikationen: Was spricht gegen eine OP

In manchen Fällen erscheint es als nicht sinnvoll, in anderen als kontraindiziert, einen Eingriff mit Implantaten zur Brustvergrößerung durchzuführen. Eine Kontraindikation (Gegenanzeige) für diesen Eingriff besteht dann, wenn bestimmte körperliche oder seelische Erkrankungen die Operation zu risikoreich machen würde. Die Messlatte dafür liegt besonders hoch, da es sich doch um keinen zwingend notwendigen Eingriff handelt. Eine Reihe von körperlichen Erkrankungen, wie Blutgerinnungsstörungen, Bluthochdruck, fortgeschrittener Diabetes, aber natürlich auch Erkrankungen, die eine Immunsuppression zur Folge haben oder auch schwere seelische Leiden wie Psychosen, bipolare Störungen, um nur einige Erkrankungen zu nennen, sind Ausschlusskriterien.
Letztendlich muss durch ein sorgfältiges Beratungsgespräch sowohl mit dem Operateur als auch mit dem Anästhesisten (als auch gegebenenfalls durch Zusatzuntersuchungen wie Blutlabor, EKG, Spirometrie u.a.) zutage gefördert werden, ob irgendwelche Kontraindikationen bestehen.

Risiken der Narkose

Unter Abwägung der Vor- und Nachteile wird ganz überwiegend die Brustvergrößerungsoperation in Narkose durchgeführt. Diese macht den Eingriff erst eigentlich so sicher durchführbar (!), bringt andererseits aber auch eigene, wenn auch tolerable, Narkoserisiken mit sich. Dazu zählen u.a. Übelkeit und Erbrechen, Einatmung von Mageninhalt in die Lunge, Stoffwechselentgleisung (Hyperthermie), krampfartige Verengung der Luftwege, vorübergehende Schluckbeschwerden oder Heiserkeit und Zahnschäden durch den Beatmungsschlauch.

Einige Operateure bieten auch die Brustvergrößerung in örtlicher Betäubung an. Hierbei kommen zusätzlich Beruhigungs- und Schmerzmittel zum Einsatz, die wiederum eine Kreislaufüberwachung durch einen Spezialisten (Narkosearzt) wünschenswert machen.

Der Anästhesist führt im Aufklärungsgespräch mit der Patientin alle Risiken der Narkose bei einer Brustvergrößerung auf.

Risiken der Brust-Operation

Einerseits gibt es Risiken, die jeder Eingriff in die Integrität des menschlichen Körpers mit sich bringt, wie z.B. Blutungen, Schwellungen, Schmerzen, überschießende Narbenbildung, bis hin zu Infektion oder Thrombose- bzw. Emboliebildung. Jedem dieser Risiken wird vorgebeugt durch spezielle Maßnahmen.

Dann gibt es aber auch spezielle Risiken und Komplikationen, die eben nur bei Brustvergrößerungen und nicht bei einer Blinddarm-Operation vorkommen können. Die bekannteste Komplikation ist die Entstehung einer Kapselfibrose. Der Körper bildet eine Bindegewebskapsel um den implantierten Fremdkörper. Wenn die bindegewebige Kapsel dicker wird als normal, kann dies die Brust verhärten, verformen und Schmerzen verursachen. Wenn sich eine derartige Entwicklung ergibt, dann häufiger innerhalb des ersten halben Jahres. Allerdings ist die Häufigkeit der Entstehung einer Kapselfibrose durch die hoch entwickelten Implantate und sehr ausgefeilten Operationstechniken drastisch gesunken. Während früher in bis zu 70 Prozent aller Fälle von Brustvergrößerungen mit einer solchen Kapselfibrose gerechnet werden musste, so sind es heute noch 2 bis 4 Prozent in eher milder Ausprägung. Also so, dass die Brust zwar härter erscheint als ideal, dies aber nicht unbedingt als sehr störend empfunden wird. Wenn eine Kapselfibrose jedoch stört, sollte eine Korrekturoperation geplant werden, bei der das Implantat gewechselt, die alte Kapsel, wenn möglich entfernt und ein neues Implantat in eine alternative Implantattasche eingepasst wird.

Eine Konsequenz einer etwas verdickten oder verengten Bindegewebskapsel um ein Implantat herum kann auch die sein, dass das Implantat Falten wirft, die unter Umständen unter der Haut tastbar sind oder bei wenig Gewebebedeckung auch sichtbar sein können. In diesem Fall kann die Erweiterung der Kapsel oder die Unterfütterung mit mehr Gewebe eine Verbesserung erbringen.

Eine andere Komplikation betrifft das Verrutschen eines Implantates während der Einheilungsphase. In diesem Fall sollte durch eine kleine Korrekturoperation eine korrekte Implantatlage herbeigeführt werden.

Es kann sich auch innerhalb der Kapsel Wundwasser (Serom) ansammeln und das Einwachsen der Kapsel in die Implantathülle verhindern, so dass dies einerseits zu einer permanenten Schwellung der Brust, andererseits aber auch zu einer Implantatdrehung innerhalb der Kapsel führen kann. In diesem Fall sollte zumindest das Serom abpunktiert, eventuell sogar die Kapsel nochmal entfernt werden, damit sich eine neue bildet, die mit der Implantathülle verwächst.
Eine weitere Komplikation kann die Einschränkung oder der Verlust der Empfindsamkeit der Brustwarze sein. Bei der Bildung der Implantattasche werden einige der zur Brustwarze ziehenden Nerven irritiert oder irreversibel geschädigt. Zumeist kehrt die Empfindsamkeit nach einigen Tagen oder Wochen der Taubheit oder auch Überempfindsamkeit aber zurück und normalisiert sich.

Ein weiteres Problem kann durch den Druck der Implantate von innen gegen die Brustdrüse entstehen. Diese wird auf Dauer eher kleiner, so dass die Stillfähigkeit darunter leiden könnte. Das spricht dafür, keine allzu großen Implantate bei der Vergrößerung zu wählen.
Die früher gefürchtete Implantatruptur, ein Zerreißen der Implantathülle und ein Auslaufen von Silikon, welches sich dann in der Umgebung oder in den umgebenden Lymphknoten ansammelt und zu sekundären Erkrankungen führt, ist nach menschlichem Ermessen bei hochwertigen Implantaten nicht mehr zu befürchten, weil diese einerseits mehrere hochreißfeste Hüllschichten aufweisen und innen mit einem hochwertigen silicon-memory-Gel gefüllt sind, welches nicht mehr auslaufen kann. Darum geben einige Hersteller bereits eine lebenslange Garantie auf die Integrität der Implantathülle. Dennoch sollte der Operateur darauf hinweisen, dass diese hochwertigen Implantate zwar seit einigen Jahren vertrieben werden und seitdem kaum noch derartige Probleme auftauchen, trotzdem aber nicht von Seiten des Operateurs eine Garantie auf die zukünftige Sicherheit „quasi bis in alle Ewigkeit“ gegeben werden kann.

Dann sollte schließlich nicht unerwähnt bleiben, dass die heute fast ausschließlich verwendeten Silikon-Gel-Implantate den Nachteil haben, dass sie auf einem Röntgenbild einen weißen Fleck hinterlassen und die davor oder dahinter gelegenen Strukturen (Drüse) nicht gut beurteilt werden können. Im Zuge einer Brustkrebsvorsorgeuntersuchung bedeutet das, dass vor dem Röntgen ein Ultraschall gemacht werden sollte, auf dem eventuelle Unregelmäßigkeiten (Knoten) entdeckt und beschrieben werden sollten, so dass der Röntgenuntersucher sein Gerät dementsprechend einrichten und am Implantat „vorbei röntgen“ kann. Außerdem ist die sicherste Art, einen verdächtigen Bezirk durch Untersuchung zu analysieren, zurzeit die Magnetresonanztomographie (MRT), die nicht auf Röntgenstrahlen basiert und von den Implantaten nicht beeinträchtigt wird. Die Kosten für Ultraschall und MRT müssen im Allgemeinen allerdings von den Patientinnen selbst getragen werden.
Zuletzt sollte auf einen zurzeit noch ungeklärten Sachverhalt hingewiesen werden. Es sind im außereuropäischen Ausland einige Fälle eines seltenen Lymphdrüsenkrebses aufgetreten, statistisch vermehrt auch bei Brustimplantatträgerinnen. Ein Zusammenhang kann bisher weder verifiziert noch ausgeschlossen werden.